Seit dem Jahr 2000 verlegt der Kölner Künstler Günter Demnig Stolpersteine. Mit dieser Aktion wird an die ermordeten Opfer des Nationalsozialismus erinnert, ihnen wird damit ein Mahnmal gesetzt. In Gronau und Epe erinnern z. Z. 42 Stolpersteine an Menschen die dem antijüdischen Terror der NS-Zeit zum Opfer gefallen sind.
Norbert Diekmann, der zusammen mit Stadtarchivar Gerd Lippert aus dem vorhandenen Quellen zur Geschichte der jüdischen Gemeinden in Gronau und Epe die Einzelschicksale dokumentiert hatten, gab während der Verlegung einen kurzen Überblick zum geschichtlichen Hintergrund der jeweiligen Familien während der NS-Zeit.
Die in den Bürgersteig eingelassenen Steinquader, deren Oberfläche aus Messing besteht, geben Auskunft über Namen, Geburts- und Sterbedaten und das Schicksal des Opfers. Die Standorte sind nicht zufällig gewählt, sondern werden vor der letzten (frei gewählten) Wohnadresse der Deportierten verlegt.
Am 29. April 2009 wurden in dem Bürgersteig der Bülowstraße, vor dem Haus Nr. 9, wo der Textilarbeiter und Feuerwehrmann Alexander Kleinhaus mit seiner Frau gewohnt hatten, die Stolpersteine eingelassen.
Alexander Kleinhaus kam gebürtig aus Gildehaus, wo er 1875 geboren wurde.
Er war Hilfsarbeiter in der Firma Gerrit van Delden. „Er war ein guter, bescheidener und strebsamer Mann, den bis 1933 ein gutes Verhältnis zu den Arbeitskollegen verband“, berichtet einer seiner damaligen Kollegen.
Über Jahrzehnte war er ein begeistertes Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Gronau. Nach Aussagen von Zeitzeugen soll er sehr einsatzbereit und mutig gewesen sein.
In den Gronauer Nachrichten vom 20.03.1928 stand die Meldung:
„Verdiente Auszeichnung. In der Versammlung der Freiwilligen Feuerwehr am Samstagabend, wurde den Mitgliedern der Wehr Lüdden für 40jährige Mitgliedschaft und Kleinhaus für 25jährige Mitgliedschaft durch Herrn 1. Bürgermeister Hagedorn das Ehrenzeichen des Preußischen Feuerwehrverbandes überreicht.“
Nach dem Tod seiner ersten Frau hat er Ende der 20-er Jahre seine Schwägerin Dina, geb. Kleffmann, eine gebürtige Burgsteinfurterin,geheiratet. Sie war klein, fast taub und sehr arbeitsam“. Beide Ehen waren kinderlos.
Alexander Kleinhaus hatte vor der Machtergreifung der Nazis mit deren Zielen sympathisiert. Nach 1933 musste er schmerzhaft und leidvoll erfahren, dass die antijüdischen Parolen ernst gemeint waren. Die zahlreichen antijüdischen Vorschriften, sicher nicht zuletzt der Ausschluss aus seiner geliebten Feuerwehr, warfen ihn aus der Bahn. Er verlor einige Jahre nach der Machtergreifung seine Arbeit bei van Delden und musste wenige Wochen nach der sogenannten Kristallnacht auch seine Betriebswohnung räumen. Das Ehepaar Kleinhaus wohnte danach in der Altstadt; im November 1941 mussten die beiden auch diese Wohnung räumen. Die letzten vier Gronauer Wochen „wohnten“ sie in der Baracke an der Viktoriastraße. Am 10.12.1941 sind sie „unbekannt verzogen“, wie das Gronauer Einwohnermeldeamt die Deportation in das Ghetto Riga umschreibt. Von den tausenden Juden, die aus Nord- und Westdeutschland nach Riga deportiert worden sind, haben nur einige wenige überlebt. Alexander und Dina Kleinhaus gehörten nicht zu ihnen.